Auch die Glühbirne hat ein Denkmal!

Donnerstag / 31. 05. 2018
Husa na provázku, Zelný trh 9

17:30

In den Brünner Straßen findet man zahlreiche Denkmäler. Viele davon sind Männern gewidmet. Manche Tieren. Sogar die Glühbirne hat ihr Denkmal. Und jetzt raten Sie mal – wie viele Frauen finden Sie darunter? Ist es tatsächlich so, dass Frauen zur Geschichte unserer Stadt nichts beigetragen haben? Die Fotografin Sylva Ficová hat Denkmäler in Brünn fotografiert. Und wir bringen dazu die Geschichten von Frauen, welche die gleiche Aufmerksamkeit wie ihre glücklicheren Kollegen verdient hätten. Wählen Sie diejenige, der man ein Denkmal widmen sollte: gemeinsam schaffen wir das.

 

Frauen, die zum Aufschwung oder zum guten Ruf der Stadt beigetragen haben:

 

Elisabeth Richza von Polen (1288 Posen – 1335 Brünn)

tschechische und polnische Königin, Gründerin des Altbrünner Klosters und Spitals, für ihre außerordentliche Wohltätigkeit geschätzt

Marie von Ebner‑Eschenbach (1830 Zdislavice – 1916 Wien)

deutschsprachige mährische Schriftstellerin, die für ihr Werk, das starke moralische und soziale Akzente aufweist, zweimal für den Literaturnobelpreis nominiert wurde (1910, 1911)

Bertha von Suttner (1843 Prag – 1914 Wien)

Menschenrechtlerin, Pazifistin und Schriftstellerin, die als erste Frau den Friedensnobelpreis erhielt (1905), verbrachte in Brünn ihre Kindheit bis zum Jahr 1856 und erhielt hier dank ihres Vormunds Egon Ernst Fürstenberg eine exzellente Ausbildung. Er inspirierte sie auch zur aktiven gesellschaftlichen Tätigkeit, die u. a. in die Gründung des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag oder der Österreichischen Friedensgesellschaft mündete.

Zdeňka Wiedermannová-Motyčková (1868 Náklo – 1915 Brünn)

Lehrerin und Publizistin, die sich in Südmähren für die Frauenbildung engagierte und das erste Mädchengymnasium in Mähren sowie den Verband der mährischen Lehrerinnen gründete, berühmte Redakteurin der Zeitschriften Ženská revue und Právo ženy

Maria Jeritza (Jedličková) (1887 Brünn – 1982 Orange, USA)

weltberühmte Opernsängerin, die Brünn auf den bedeutendsten Musikbühnen bekannt gemacht hat, u. a. in der Metropolitan Opera in New York, wo sie das Werk von Leoš Janáček propagierte und sich persönlich für die Aufführung seiner Oper Jenůfa einsetzte

Sel. Maria Restituta Kafka (1894 Brünn – 1943 Wien)

Ordens- und Krankenschwester, Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung, 1998 seliggesprochen

Anna Ticho (1894 Brünn – 1980 Jerusalem)

bekannte Malerin jüdischer Abstammung absolvierte die Prager Akademie der bildenden Künste und übersiedelte dann nach Jerusalem, wo man heute ihr Werk im sog. Ticho-Haus bewundern kann

Grete Tugendhat (1903 Brünn – 1970 Sankt Gallen)

Brünnerin jüdischer Abstammung, die vor dem totalitären Nazi-Regime fliehen musste, Gründerin der Brünner Liga für Menschenrechte, Initiatorin und Mitbesitzerin der Villa Tugendhat, die zum Symbol der Stadt in der Welt wurde und zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört

Helena Koželuhová (1907 Brünn – 1967 Boston, USA)

Nichte der Brüder Čapek, Juristin und Abgeordnete für die Tschechoslowakische Volkspartei, die in der Zeit des nationalsozialistischen Totalitarismus in Theresienstadt inhaftiert war und später von dem kommunistischen Regime zur Emigration gezwungen wurde; dort wurde sie zur Vorsitzenden des Vereins der tschechoslowakischen Frauen im Exil

Vítězslava Kaprálová (1915 Brünn – 1940 Montpellier)
erste tschechische Komponistin und Dirigentin, die u. a. die Tschechische Philharmonie oder das Londoner BBC-Orchester dirigierte; in ihrem kurzen Leben komponierte sie an die vierzig Werke, die bis heute auf internationalen Festivals aufgeführt werden

Emílie (Elina) Machálková (1926 Svatobořice – 2017 Brünn)

bekannte Roma-Sängerin, die den Roma-Holocaust überlebte und ihr Leben der Bildung der Roma widmete